Informationsportal für Arbeitgeber

Merken Drucken

Änderungen in der Sozialversicherung zum 01.01.2020

Zum Jahreswechsel 2019 – 2020 treten einige Änderungen in der Sozialversicherung in Kraft, die für Ihren Berufsalltag als Arbeitgeber wichtig sind. Nachfolgend finden Sie eine schlagwortartige Aufstellung der wichtigsten Neuerungen, damit Sie sich gegebenenfalls noch einmal im Detail informieren können.

Folgende Themen und Änderungen, die teilweise auch im laufenden Jahr 2019 eingeführt wurden, sollten Sie in jedem Fall vor Auge haben:

  1. Beitragssätze der Sozialversicherung
  2. Rechengrößen der Sozialversicherung
  3. Handhabung der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAE)
  4. Drittes Geschlecht im Meldeverfahren
  5. Entsendungen bzw. A1-Antragsverfahren
  6. Kennzeichen Midijob in den Meldungen für 2019
  7. Märzklausel
  8. Beitragsentlastung bei betrieblicher Altersversorgung (bAV)
  9. Zahlstellen: Beitragsberechnung, -abführung und Meldeverfahren
  10. Anhebung gesetzlicher Mindestlohn
  11. Anhebung der Mehrverpflegungspauschalen (MVP)
  12. Geänderte Definitionen zu Sachbezügen
  13. Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)
  14. Wahloption des U1-Erstattungssatzes (Erstattungen bei Arbeitsunfähigkeit)
  15. Neue Gesetze aus Migrationspaket der Bundesregierung

1. Beitragssätze der Sozialversicherung

Ab dem 01.Januar 2020 geltenden folgende Beitragssätze der Sozialversicherung:

  • Krankenversicherung: 14,6 Prozent allgemein / 14,0 Prozent ermäßigt
    Kassenindividueller Zusatzbeitrag: unterschiedlich nach Krankenkasse
    (Durchschnittlicher Zusatzbeitrag: 1,1 Prozent)
  • Pflegeversicherung: 3,05 Prozent
    Beitragszuschlag für Kinderlose: 0,25 Prozent
  • Rentenversicherung: 18,6 Prozent allgemein / 24,7 Prozent knappschaftlich
  • Arbeitslosenversicherung: 2,4 Prozent
  • Insolvenzgeldumlage: 0,06 Prozent
  • Künstlersozialabgabe: 4,2 Prozent
  • Umlagesätze U1 und U2: kassenindividuell
    Umlagesätze Minijob-Zentrale: 0,9 Prozent U1 / 0,19 Prozent U2

zurück zum Seitenanfang

2. Rechengrößen der Sozialversicherung

Die Rechengrößen der Sozialversicherung werden zu jedem Jahreswechsel per Verordnung an die Entgeltentwicklung angepasst. Für die Entgeltabrechnung ergeben sich hieraus andere Beitragsbemessungsgrenzen und beispielsweise auf Grund der Jahresarbeitsentgeltgrenzen auch andere Werte für die Beurteilung der Versicherungspflicht bzw. Versicherungsfreiheit Ihrer Arbeitnehmer. Details, Hintergründe und die Werte der Jahre 2019 und 2020 finden Sie im Steckbrief Rechengrößen Sozialversicherung.

zurück zum Seitenanfang

3. Handhabung der Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAE)

Zur Feststellung der Versicherungspflicht oder Versicherungsfreiheit Ihrer Arbeitnehmer in der gesetzlichen Krankenversicherung sind Sie verpflichtet, alle absehbaren Veränderungen mit einzubeziehen und diese in Relation zur neuen Jahresarbeitsentgeltgrenze zu setzen.

Die Prognose ist zudem nicht mehr nur noch zum Jahresende vorzunehmen, sondern bei allen relevanten Änderungen auch unterjährig. Mehr Informationen finden Sie auch in unserer Meldung Jahresarbeitsentgeltgrenze – vorübergehende Entgeltminderung. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit der für den Arbeitnehmer zuständigen Krankenkasse.

zurück zum Seitenanfang

4. Drittes Geschlecht im Meldeverfahren

Bereits seit dem 01.Juli 2019 ist die Angabe eines dritten Geschlechts im A1-Antragsverfahren (siehe Steckbrief Entsendung) möglich. Neben den bisherigen Kennzeichen für männlich und weiblich, können Sie in den Meldungen auch „x“ für unbestimmt und „d“ für divers eintragen.

Ab dem 01.Januar 2020 erfolgt nun auch die Einführung des dritten Geschlechts im Arbeitgeber-Meldeverfahren (siehe Steckbrief Meldungen). Für alle Meldungen, in denen keine Versicherungsnummer angegeben wird, ist die Angabe zum Geschlecht zwingend notwendig. Die Berücksichtigung des dritten Geschlechts im Zahlstellen-Meldeverfahren wird folgen.

zurück zum Seitenanfang

5. Entsendungen bzw. A1-Antragsverfahren

Das A1-Antragsverfahren erfährt immer größere Bedeutung und wurde durch die Verpflichtung, dies ab dem 01.Juli 2019 nur noch elektronisch durchzuführen, stark beschleunigt.

Neu zum 01.Januar 2020:

  • Es wird als elektronische Rückmeldung ein Antragsnachweis für Sie erstellt. Diese sollte Ihr Arbeitnehmer mit sich führen, sofern die Entsendung bereits beginnen muss, aber die tatsächliche Bescheinigung A1 noch nicht vorliegt.
  • Im Antrag sind Beginn und Ende der Entsendung einzutragen, dafür entfällt das bisherige Kennzeichen der Befristung der Entsendung.
  • Angaben zur Wohnanschrift und zum Wohnstaat Ihres Arbeitnehmers sind verpflichtend.
  • Es können nun bis zu 11 Orte, an denen im Ausland gearbeitet werden soll, je Entsendung hinterlegt werden.
  • Für Ihren Unternehmensnamen stehen nun mehr Zeichen zur Verfügung.
  • Es entfällt, den Beginn der Beschäftigung eintragen zu müssen.

Lesen Sie weitere Informationen zum Thema im Steckbrief Entsendung.

zurück zum Seitenanfang

6. Kennzeichen Midijob in den Meldungen für 2019

Wenn Sie für Ihre Midijobber die Meldungen für das Jahr 2019 absetzen, denken Sie bitte daran, das Midijob-Kennzeichen im Rahmen der erweiterten Betragsgrenzen des Übergangsbereiches richtig zu verwenden.

Informationen hierzu finden Sie im Steckbrief Übergangsbereich sowie in der Meldung Übergangsbereich ab 01.07.2019 – Kennzeichen Midijob.

zurück zum Seitenanfang

7. Märzklausel

Leisten Sie Einmal- oder Sonderzahlungen im Zeitraum vom 01.Januar bis 31.März eines Jahres, ist diese Zahlung beitragsrechtlich dem letzten Abrechnungsmonat des Vorjahres zuzuordnen. Bitte lesen Sie hierzu den Steckbrief Einmal- und Sonderzahlungen.

zurück zum Seitenanfang

8. Beitragsentlastung bei betrieblicher Altersversorgung (bAV)

Die Beitragsabführung aus Zahlungen der betrieblichen Altersversorgung erfährt für viele versicherungspflichtige Rentner ab 01.Januar 2020 eine spürbare Entlastung. Analog zu den Versorgungsbezügen wird für die bAV ein Freibetrag in gleicher Höhe (2020: 159,25 Euro monatlich) eingeführt.

Für bAV-Zahlungen unterhalb dieses Freibetrags entfallen die Krankenversicherungsbeiträge vollständig. Bei bAV-Leistungen oberhalb des Freibetrags wird nur der überschießende Anteil beitragspflichtig zur Krankenversicherung.

Die bAV-Zahlungen bleiben wie bisher in voller Höhe beitragspflichtig zur Pflegeversicherung. Rentner, die freiwillig krankversichert sind, profitieren nicht von der Freibetragsregelung, da hier die Gesamteinkünfte zum Lebensunterhalt verbeitragt werden.

zurück zum Seitenanfang

9. Zahlstellen: Beitragsberechnung, -abführung und Meldeverfahren

Seit dem 01.Juli 2019 sind die Zahlstellen verpflichtet, für alle krankenversicherungspflichtigen Versorgungsbezieher die fälligen Beiträge zu berechnen und auch abzuführen. Größenbedingte Sonderregelungen sind nicht mehr zulässig.

Ab dem 01.Januar 2020 melden die Zahlstellen nur Versorgungsbezüge bis zur Höhe der Beitragsbemessungsgrenze (BBG). Änderungsmeldungen aufgrund des Überschreitens der BBG durch Einmalzahlungen oder Dynamisierungen brauchen in diesen Fällen nicht vorgenommen zu werden.

Ab 2021 müssen jedoch jährlich einmal Änderungsmeldungen aufgrund der Anhebung der BBG abgesetzt werden.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Steckbrief Zahlstelle.

zurück zum Seitenanfang

10. Anhebung gesetzlicher Mindestlohn

Zum 01.Januar 2020 wird der gesetzliche Mindestlohn von 9,19 Euro auf 9,35 Euro pro Stunde angehoben. Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle volljährigen Arbeitnehmer, ausgenommen sind Langzeitarbeitslose in den ersten 6 Monaten nach Wiedereinstieg in das Berufsleben sowie Auszubildende. Für Auszubildende gelten ab 01.Januar 2020 die Mindestausbildungsvergütungen (siehe die News Mindestausbildungsvergütung sowie der Steckbrief Auszubildende).

Insbesondere sollten Sie die Arbeitsverträge Ihrer Minijobber prüfen. Durch die Anhebung des Mindestlohns reduziert bei sich Mindestlohn-Vergütung die maximale Stundenzahl pro Monat, die im Minijob geleistet werden kann, von 48,9 Stunden auf 48,1 Stunden pro Monat.

Sofern Ihre Minijobber also Mindestlohn erhalten und bisher Arbeitsstunden bis zum Erreichen der Minijob-Grenze geleistet haben, ist nun die maximale Arbeitszeit anzupassen. Anderenfalls werden Ihre Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig.

zurück zum Seitenanfang

11. Anhebung der Mehrverpflegungspauschalen (MVP)

Ab dem 01.Januar 2020 können folgende höhere Mehrverpflegungspauschalen für Dienst- bzw. Geschäftsreisen pro Tag angesetzt werden:

  • Bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit: 14 Euro (2019: 12 Euro)
  • Bei ganztägiger Abwesenheit: 28 Euro (2019: 24 Euro)
  • An Anreise- und Abreisetagen: 14 Euro (2019: 12 Euro)

zurück zum Seitenanfang

12. Geänderte Definitionen von Sachbezügen

Für Sie als Arbeitgeber bleibt die Grenze abgabenfreier Sachbezüge, die Sie Ihren Arbeitnehmer gewähren können, unverändert bei 44 Euro pro Monat bestehen. Voraussetzung hierfür ist, dass der Sachbezug zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitsentgelt gewährt wird.

Allerdings wurde der Begriff Sachbezug enger in Abgrenzung zur Geldleistung, die voll zu versteuern und zu verbeitragen ist, definiert. Als Geldleistungen gelten nunmehr:

  • zweckgebundene Zahlungen,
  • nachträgliche Kostenerstattungen zu nicht betriebsbedingten Aufwendungen,
  • Geldsurrogate zw. Geldersatzmittel (beispielsweise Schecks oder Wechsel),
  • andere Vorteile, die auf einen Geldbetrag lauten,
  • Geldkarten, die als Geldersatz im Rahmen unabhängiger, unbarer Zahlungssysteme eingesetzt werden können.

zurück zum Seitenanfang

13. Elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

Im Rahmen des Bürokratieentlastungsgesetztes III wurde die Einführung einer elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beschlossen. Der bekannte „gelbe Schein“ wird dabei zukünftig durch ein elektronisches Meldeverfahren ersetzt, wodurch bürokratischer Aufwand und Konflikte vermieden werden.

Ab dem 01.Januar 2020 wird damit begonnen das Verfahren und die Infrastruktur zwischen den Ärzten und den Krankenkassen aufzubauen. Ab dem 01.Januar 2022 werden Sie als Arbeitgeber mit an das Verfahren angebunden.

Bis dahin sind Ihre Arbeitnehmer weiterhin verpflichtet Ihnen nicht nur die eigene Arbeitsunfähigkeit unverzüglich mitzuteilen, sondern auch die ärztliche Bescheinigung sowohl Ihnen als auch der zuständigen Krankenkasse vorzulegen.

zurück zum Seitenanfang

14. Wahloption des U1-Erstattungssatzes (Erstattungen bei Arbeitsunfähigkeit)

Sofern Sie mit Ihrem Unternehmen an der Umlage 1 (U1) teilnehmen, vereinbaren Sie mit den zuständigen Krankenkassen den Erstattungssatz der U1. Dieser wird im Leistungsfall verwendet, um Ihre Aufwendungen aus der Entgeltfortzahlung bei der Arbeitsunfähigkeit eines Arbeitnehmers (anteilig) zu erstatten.

Bis zum 27.Januar 2020 haben Sie jährlich einmal die Möglichkeit, den von Ihnen gewünschten Erstattungssatz neu zu wählen – in der Regel werden Sie dazu von der für den Arbeitnehmer zuständigen Krankenkasse angeschrieben. Dieser Erstattungssatz kann zwar pro Krankenkasse nur einheitlich festgelegt werden, jedoch von Kasse zu Kasse variieren. Möglichweise ergeben sich für Sie Gestaltungsmöglichkeiten – unter Berücksichtigung von Krankheitshäufigkeiten und Kassenzugehörigkeiten Ihrer Arbeitnehmer.

zurück zum Seitenanfang

15. Neue Gesetze aus Migrationspaket der Bundesregierung

Das Migrationspaket der Bundesregierung bringt zum 01.Januar 2020 sowie zum 01.März 2020 unter anderem zwei Gesetze, die es Ihnen als Arbeitgeber leichter machen, Flüchtlinge in Ausbildung zu nehmen und als Arbeitskräfte zu behalten sowie ausländische Fachkräfte zu gewinnen:

  • Gesetz über Duldung bei Ausbildung und Beschäftigung (Gültigkeitszeitraum 01.Januar 2020 – 31.Dezember 2023)
  • Fachkräfteeinwanderungsgesetz (ab dem 01.März 2020)

Lesen Sie hierzu die News Neue Gesetze aus Migrationspaket der Bundesregierung

zurück zum Seitenanfang

Diese Website verwendet Cookies. Indem Sie die Website und ihre Angebote nutzen und weiter navigieren, akzeptieren Sie diese Cookies. Dies können Sie in Ihren Browsereinstellungen ändern.

» Akzeptieren » Datenschutz