In der Krankenversicherung besteht Versicherungspflicht, solange das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt die Krankenversicherungspflichtgrenze nicht übersteigt. Im Jahr 2022 liegt die Grenze bei 64.350 Euro. Bei Krankenversicherungsfreiheit kann der Beschäftigte sich entweder in der gesetzlichen Krankenkasse freiwillig weiterversichern oder die Absicherung bei einer privaten Krankenversicherung wählen. Doch was passiert, wenn das Einkommen danach sinkt, weil der Arbeitnehmer zum Beispiel in Elternzeit geht?

Wenn das Einkommen sinkt

Besteht bei einem Beschäftigten Krankenversicherungsfreiheit wegen Überschreitens der Einkommensgrenze, müssen Sie bei einer Verringerung des Entgelts prüfen, ob die Versicherungsfreiheit weiterhin besteht. Liegt das Einkommen nämlich unterhalb der Grenze, tritt sofort Krankenversicherungspflicht ein. Das gilt auch, wenn die Einkommensverringerung auf die Nutzung der Elternzeit zurückzuführen ist. Als Arbeitgeber müssen Sie nämlich bei jeder Änderung der Verhältnisse prüfen, ob die einmal getroffene Entscheidung über die Krankenversicherungspflicht oder -freiheit weiterhin Bestand hat. Tritt die Krankenversicherungspflicht ein, müssen Sie die entsprechende Ummeldung wegen Änderung der Beitragsgruppe vornehmen und Ihren Beschäftigten entsprechend informieren. Ist er Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse ist das völlig unproblematisch. Die bisherige freiwillige Krankenversicherung wird in eine Pflichtversicherung umgewandelt.

Wenn das Einkommen wieder steigt

Viele Eltern kehren nach Ende der Elternzeit wieder zurück ins volle (Erwerbs-)Leben. Dann müssen Sie – wegen der Änderung der Verhältnisse – erneut prüfen, wie es um die Krankenversicherungspflicht bestellt ist. Liegt das regelmäßige Jahresarbeitsentgelt nun wieder über der Grenze, endet die Krankenversicherungspflicht. Aber nicht sofort. Sie endet nämlich erst zum Ende des laufenden Kalenderjahres und das auch nur dann, wenn das Einkommen auch die für das folgende Jahr geltende Grenze übersteigt. Kommt es zur Krankenversicherungsfreiheit ab 1. Januar des folgenden Jahres, müssen Sie anstelle einer Jahresmeldung eine Ummeldung (Beitragsgruppenänderung) vornehmen, also eine Ab- und neue Anmeldung. Bleibt Ihr Beschäftigter in der gesetzlichen Krankenkasse, können Sie entweder die Beiträge weiterhin einziehen und an die Kasse abführen (Arbeitgeberverfahren), oder Ihren Arbeitgeberanteil an den Beschäftigten auszahlen – dieser muss dann selbst für die Beitragszahlung sorgen. Welches Verfahren Sie wählen, hat Einfluss auf die zu meldende Beitragsgruppe („9“ beim Arbeitgeberverfahren, „0“, wenn der Beschäftigte selbst die Beitragszahlung übernimmt. Falls der Beschäftigte in die private Krankenversicherung wechselt, müssen Sie auch einen Beitragszuschuss in Höhe Ihres Anteils am Pflichtbeitrag zahlen, höchstens aber die Hälfte des tatsächlichen Beitrags. Ihr Beschäftigter muss Ihnen daher die Höhe der Beiträge und das Bestehen der Krankenversicherung nachweisen.

Die Befreiung von der Krankenversicherungspflicht auf Antrag

Tritt durch die Absenkung der Arbeitszeit und der damit verbundenen Entgeltminderung Krankenversicherungspflicht ein, kann sich der Beschäftigte davon auf Antrag befreien lassen. Den Antrag muss er innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Versicherungspflicht bei der Krankenkasse stellen. Voraussetzung für die Befreiung ist der Nachweis einer adäquaten anderweitigen Absicherung für den Fall der Krankheit, also in der Regel einer privaten Krankheitskostenvollversicherung. Auch das Versicherungsunternehmen muss einige Voraussetzungen erfüllen. Das prüft aber die Krankenkasse. Wird dem Befreiungsantrag entsprochen, muss Ihnen Ihr Beschäftigter diesen vorlegen und die Höhe des Krankenversicherungsbeitrags für die Berechnung Ihres Beitragszuschusses nachweisen. Beide Unterlagen dokumentieren Sie bitte in den Entgeltunterlagen. Wichtig! Die Befreiung gilt nur für die Dauer der Elternzeit. Bleibt es auch nach deren Ende bei der verminderten Stundenzahl, tritt wieder Krankenversicherungspflicht ein. Eine Möglichkeit zur erneuten Befreiung besteht dann nicht.

Unser Service für Sie im Informationsportal

Nähere Informationen zum Thema finden Sie in unserem Steckbrief Elternzeit. Ob und was Sie als Arbeitgeber melden müssen, wenn Ihr Arbeitnehmer in Elterngeht bzw. danach zurückkehrt, können Sie mit unseren Frage-Antwort-Katalogen Kinder und Familie prüfen.