Präsentismus: Trends und Auswirkungen

Der Fehlzeitenreport der Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) weist auf einen gefährlichen Trend hin: Über 13 Prozent der Befragten sind krank zur Arbeit erschienen. Und eine Befragung des AOK-Bundesverbands ergibt, dass vor allem die Pflegebranche von dem sogenannten Präsentismus betroffen ist – hier gehen 36 Prozent der Führungskräfte krank zur Arbeit, 25 Prozent sogar entgegen dem ausdrücklichen Rat des Arztes.

Auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (baua) hat sich dem Phänomen, krank zur Arbeit zu gehen, angenommen. Sie hat untersuchen lassen, wie der Wissensstand zu den Ursachen und Auswirkungen des Präsentismus ist. Denn während man die Tage der Arbeitsunfähigkeit leicht erfassen und auswerten kann, ist es naturgemäß schwieriger, Präsentismus zu erfassen, also die Tage, an denen Mitarbeiter trotz Krankheit zur Arbeit erschienen sind. Die Bundesanstalt kommt kurz gesagt zu folgendem Ergebnis: Studien zeigen, dass Präsentismus das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen, wenn der allgemeine Gesundheitszustand von vornherein schlecht war. Zudem gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang von Präsentismus und langfristiger Arbeitsunfähigkeit. US-amerikanische Studien belegen, dass die ökonomischen Schäden durch Präsentismus mindestens genauso hoch sind wie die Kosten, die durch krankheitsbedingte Ausfälle entstehen.

Gründe, um krank zur Arbeit zu gehen

Laut WiDO-Report ist der Präsentismus auffallend häufig in Betrieben oder Branchen zu finden, in denen die Arbeitsbelastung hoch und das Betriebsklima schlecht ist. Arbeitnehmer befürchten also, dass ihnen in einem unsicheren Arbeitsumfeld Nachteile entstehen, wenn sie krankheitsbedingt zu Hause bleiben. Ein weiteres Missverständnis: Beschäftigte meinen, ihrem Team einen Gefallen zu tun, wenn sie zur Arbeit geben. Doch im Falle von Infektionskrankheiten stecken sie ihre Kollegen ggf. an. Und auch wenn es keine ansteckende Krankheit ist: Krank zur Arbeit zu gehen, schädigt sie selbst ebenfalls, denn ihr Körper erhält keine Gelegenheit, sich vollständig zu erholen. Sie riskieren damit Folgekrankheiten und sogar längere Arbeitsausfälle – in jedem Fall also ein Bärendienst am Team.

Was bedeutet das für Arbeitgeber?

Aufgabe der Arbeitgeber bzw. Führungskräfte sollte es also sein, für ein ausgewogenes Betriebsklima zu sorgen. Essenzielles Know-how sollte nicht nur bei einer einzigen Person verankert sein. Anerkennung und Wertschätzung sollten für Sie keine Ausnahme darstellen. Konflikte sollten Sie respektvoll klären. Und ein gutes betriebliches Gesundheitsmanagement fördert die körperliche und psychische Gesundheit aller Beschäftigten. Nicht zuletzt sollten Vorgesetzte mit gutem Beispiel voran gehen und sich zu Hause auskurieren, falls sie selbst erkranken.

Betriebliches Gesundheitsmanagement (BMG) und Gefährdungsbeurteilung

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten viele Angebote, um das jeweilige BGM im Betrieb zu unterstützen: Mit Vorträgen, Kursen (auch online) und vielem mehr. Eine Liste aller gesetzlichen Krankenkassen finden Sie hier.

Und die Berufsgenossenschaften helfen Ihnen, mit geeigneten Gefährdungsbeurteilungen die Sicherheit im Arbeitsleben Ihrer Mitarbeiter zu gewährleisten. Darüber hinaus erhalten Sie hier Tipps und Hilfen für ein gutes Betriebsklima. Mehr hierzu finden Sie auf der Website der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Unser Tipp: Nutzen Sie als Arbeitgeber alle vorhandenen Mittel, um die Gesundheit Ihrer Arbeitnehmer zu schützen. Denn diese sind der Schlüssel zu Ihrem unternehmerischen Erfolg.

Quellen

Unser Service für Sie im Informationsportal

Zum Thema Erkrankung, Berufskrankheit und Reha finden Sie im Informationsportal alle nötigen Informationen oder können ermitteln, welche Maßnahmen Sie vielleicht ergreifen müssen:

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Steckbriefe zum Thema: