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Stellen Sie genug Schwerbehinderte ein?

Im Jahr 2017 lebten laut dem statistischen Bundesamt knapp 7,7 Millionen schwerbehinderte Menschen Jahre in Deutschland. Davon sind 7,62 Millionen über 18 Jahre alt – theoretisch also im erwerbstätigen Alter. Damit auch Menschen mit Behinderungen gemäß ihren Möglichkeiten arbeiten können, haben Bundestag und Bundesrat im Jahr 2016 das Teilhabegesetz verabschiedet (reformiert 2018). Das Gesetz verpflichtet Sie als Arbeitgeber, auch schwerbehinderte Menschen einzustellen.

Arbeitgeber müssen auch Schwerbehinderte einstellen

Wie viele Schwerbehinderte Sie als Arbeitgeber beschäftigen, hängt von der Gesamtzahl Ihrer Arbeitnehmer ab. Generell gilt, dass fünf Prozent Ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzt sein sollten. Bei relativ kleinen Beschäftigungsbetrieben wird allerdings ab- statt aufgerundet:

  • Haben Sie im letzten Jahr durchschnittlich mehr zwischen 20 und 40 Arbeitnehmer beschäftigt, müssen Sie wenigstens einen schwerbehinderten Menschen einstellen.
  • Bei 40 bis 59 Arbeitnehmern müssen Sie wenigstens zwei Schwerbehinderten Arbeit geben.
  • Arbeiten bis zu 69 Menschen für Sie, sind drei Schwerbehinderte vorgesehen und so weiter.

Dabei dürfen Sie Auszubildende nicht als Arbeitnehmer mitzählen, auch nicht Arbeitsplätze, die auf acht Wochen im Jahr bzw. weniger als 18 Stunden pro Woche befristet sind. Arbeitet jedoch ein Schwerbehinderter auf einer Teilzeitstelle mit weniger als 18 Stunden, zählt dies sehr wohl als Erfüllung der Pflichtarbeitsquote für schwerbehinderte Menschen.

Schwerbehinderte Frauen sind bei der Auswahl der Arbeitnehmer besonders zu berücksichtigen.

Ihre jährliche Meldepflicht

Bis zum 31. März müssen Sie der Bundesagentur für Arbeit (BA) melden, wie viele schwerbehinderte Menschen Sie beschäftigen. Die Meldung bezieht sich dabei auf das vorige Kalenderjahr. Sie können dazu das Programm IW-Elan nutzen, um Ihre Meldung elektronisch zu machen. Alternativ können Sie auch einen Ausdruck des Formulars per Post einschicken. IW-Elan können Sie sich downloaden und lokal auf Ihrem Rechner installieren. Das jährliche Update übernimmt Ihre Daten aus dem Vorjahr. Wenn das nicht gewünscht oder möglich ist, können Sie die Software auch auf CD-Rom bei der BA bestellen.

Tipp: Die meisten Entgeltabrechnungsprogramme stellen eine Auswertung und/oder eine Datei bereit, die die meisten relevanten Daten bereitstellt. Die Datei können Sie dann in IW-Elan einlesen und haben so schon einen Großteil der Arbeit erledigt.

Das passiert, wenn Sie Ihre Quote nicht erfüllen

Ist es Ihnen nicht möglich, die vorgegebene Anzahl an schwerbehinderten Arbeitnehmern einzustellen, wird eine Ausgleichabgabe fällig.

  • Haben Sie weniger als 40 Arbeitnehmer und beschäftigen keinen Schwerbehinderten, zahlen Sie pro Monat 125 Euro als Ausgleichsabgabe.
  • Haben Sie zwischen 40 und 59 Arbeitsplätze und nicht mindestens zwei schwerbehinderte Arbeitnehmer, zahlen Sie 220 Euro pro Monat. Beschäftigen Sie wenigstens einen Schwerbehinderten, sind 125 Euro fällig.
  • Bei Arbeitgebern mit mehr als 60 Arbeitsplätzen wird prozentual gerechnet: Liegt die Beschäftigungsquote schwerbehinderter Arbeitnehmer unter zwei Prozent, liegt die Ausgleichsquote bei 320 Euro, zwischen zwei und drei Prozent sind es 220 Euro, zwischen drei und fünf Prozent 125 Euro. Bei einer Quote ab fünf Prozent haben Sie Ihre Beschäftigungsquote erfüllt, es wird keine Ausgleichsabgabe fällig.

Gut zu wissen: Wenn Sie Aufträge an anerkannte Werkstätten für behinderte Menschen und Blindenwerkstätten vergeben, kann das auf die Ausgleichsabgabe angerechnet werden.

Die Summe Ihrer Ausgleichsabgabe (für das vorige Kalenderjahr) zahlen Sie bis zum 31. März an das Integrationsamt Ihres Ortes. Wenn Sie mehrere Filialen oder Niederlassungen haben, zahlen Sie an das Integrationsamt, das für den Hauptsitz Ihres Beschäftigungsbetriebs zuständig ist.

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Wann gelten Menschen als schwerbehindert?

  • Der Grad der Behinderung (GdB) muss bei mindestens 50 Prozent liegen (§ 2 Abs. 2 SGB IX)
  • Das Versorgungsamt hat diesen GdB anerkannt und einen entsprechenden Ausweis ausgestellt.

 

Bekomme ich als Arbeitgeber Unterstützung bei der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen?

Sie können Zuschüsse und Fördergelder beim jeweiligen Integrationsamt beantragen, beispielsweise, wenn Sie einen behindertengerechten Arbeitsplatz einrichten möchten oder wenn Sie in sonstige technische Hilfsmittel investieren. Auch die BA kann Ihnen Fördermittel zur Verfügung stellen. Darüber hinaus zahlt die BA Eingliederungszuschüsse und kann die Kosten für eine Probebeschäftigung übernehmen (längstens drei Monate).

Gelten für schwerbehinderte Arbeitnehmer die gleichen Arbeitszeiten wie für gesunde Arbeitnehmer?

Nein. Denn Schwerbehinderte haben Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung. Darüber hinaus müssen Sie keine Überstunden leisten und sie haben fünf Urlaubstage pro Jahr mehr.

Gibt es einen besonderen Kündigungsschutz für Schwerbehinderte?

Ja. Bevor Sie einem schwerbehinderten Arbeitnehmer kündigen können, muss das Integrationsamt dem zustimmen. Dem Amt müssen Sie ausführlich und nachvollziehbar die Gründe für die Kündigung belegen. Das gilt allerdings nicht für die Probezeit: Falls Sie dem neuen Arbeitnehmer in dieser Zeit kündigen, müssen Sie auch nicht das Integrationsamt hinzuziehen.

 

Quellen und weitere Informationen

 

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