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Aus- und Weiterbildung leidet unter Corona – dabei gibt es auch Chancen

Jahresgutachten 2020/21 des Sachverständigenrates in den Zeiten von Corona

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gibt jedes Jahr ein Gutachten heraus. Das Jahresgutachten 2020/21 heißt „Corona-Krise gemeinsam bewältigen, Resilienz und Wachstum stärken“. Es beschäftigt sich auch mit der Aus- und Weiterbildung. Der Sachverständigenrat betont, dass der demografische Wandel das Angebot an Fachkräften weiter einschränken wird, z. B. in Bau und Handwerk, Pflege und Medizin sowie den Informations- und Kommunikationstechnologien. Daher kämen Bildung, Weiterbildung und lebenslangem Lernen wichtige Rollen zu.

Stellungnahme zu Personalpolitik und betriebliche Weiterbildung in der Corona-Krise

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist vorher vom Sachverständigenrat um eine Stellungnahme zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf Aus- und Weiterbildung, die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur sowie Änderungen der betrieblichen Personalpolitik gebeten worden. Das IAB ist eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Zu wenig Weiterbildung während der Kurzarbeit

In der Stellungnahme wird festgehalten, dass vor allem die fortschreitende Digitalisierung die Arbeitswelt und ihre Berufsbilder verändert, noch beschleunigt durch Corona. Daher steigt eigentlich der Bedarf an entsprechender Qualifizierung. Das wäre z. B. während der Kurzarbeit besonders sinnvoll, manche Maßnahmen werden von der BA unter bestimmten Bedingungen sogar gefördert wird. In der Praxis würde das aber zu wenig genutzt.

Weiterbildung und Umschulung als Chance

Bisher konnten in den meisten Betriebe Entlassungen vermeiden, weil Kurzarbeit in einem bislang einmaligen Umfang genutzt wird. Nach einer Umfrage des IAB im August 2020 hatten nur zwölf Prozent der Betriebe Arbeitskräfte entlassen Die Arbeitgeber versuchen also, ihre Beschäftigten trotz der aktuell schwierigen Bedingungen auch längerfristig zu halten. Es wurden immerhin in neun Prozent der Betriebe Beschäftigten als Reaktion auf die Corona-Pandemie weitergebildet oder umgeschult.

Sorgen um den Ausbildungsmarkt

Geraten Betriebe in finanzielle Engpässe, müssen viele Arbeitgeber ihre Ausbildungstätigkeit aus Kostengründen zurückfahren oder einstellen; die langfristigen Erträge der Ausbildung aus einer Übernahme der Auszubildenden sind unsicher. Bis August 2020 gingen die gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen um 42.000 im Vergleich zu 2019 zurück. Es gibt auch weniger Bewerber z. B. wegen einer erschwerten Erreichbarkeit der Berufsberatung, dem Ausfall vieler schulischer und außerschulischer Beratungsangebote oder der Absage von Praktika. Insbesondere Jugendliche mit einem niedrigeren Schulabschluss hätten aktuell Schwierigkeiten haben, in eine betriebliche Ausbildung zu kommen, so der Bericht.

Das könnte zu langfristigen Narbeneffekten führen und die weiteren Berufsbiografien nachhaltig beeinträchtigen. Investieren Arbeitgeber aber zu wenig in die Ausbildung, stehen ihnen künftig wenige ausgebildete Fachkräfte zur Verfügung. Blickt man auf die Aussagen des Sachverständigenrates zum Bedarf an Fachkräfte, könnte sich das mittel- bis langfristig für die gesamte Wirtschaft negativ bemerkbar machen.

Quelle

IAB-Stellungnahme 12|2020 „Wirtschaftlicher Wandel, Personalpolitik und betriebliche Bildung in der Corona-Krise“

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